SAD (Saisonal abhängige Depression) und Winterblues

Tiere reagieren auf den Wechsel der Jahreszeiten mit einem langsameren Stoffwechsel und mit Stimmungs- und Verhaltensänderungen, und bei uns Menschen ist es ähnlich. Im Winter schlafen und essen viele Menschen mehr als im Sommer. Gleichzeitig leiden sie darunter, dass die Tage kürzer werden und es morgens lange dunkel ist - der sogenannte Winterblues. Einige haben schwerwiegendere Symptome, die ihre berufliche Leistung beeinträchtigen und ihre familiären und partnerschaftlichen Beziehungen belasten. Dies ist ein anerkanntes Krankheitsbild, das als saisonal affektive Störung oder saisonal abhängige Depression, kurz SAD oder SAD-Syndrom, bezeichnet wird.

Welches sind die Symptome von SAD und Winterblues?

Wenn Sie unter SAD oder Winterblues leiden, spüren Sie die ersten Anzeichen wahrscheinlich im September und fühlen sich erst im April wieder wie gewohnt. Unten stehend finden Sie eine Liste der wichtigsten Symptome, die Sie aber wahrscheinlich - vor allem bei dem milderen Winterblues - nicht alle verspüren:

  • Schlafprobleme Verschlafen, ohne ausgeruht zu sein, man kommt nicht aus dem Bett und braucht am Nachmittag ein Nickerchen
  • Überernährung übermäßiger Appetit auf Kohlenhydrate, was zur Gewichtszunahme führt
  • Depression, Verzweiflung, Trübsal, Schuldgefühle, Angstzustände ganz normale Aufgaben erscheinen einem übermäßig schwierig und führen zu Frustration
  • Familiäre und soziale Probleme Meidung anderer Menschen, Reizbarkeit, Libidoverlust, Gefühllosigkeit
  • Lethargie Abgekämpftheit, alles ist anstrengend
  • Körperliche Beschwerden häufige Gelenkschmerzen oder Magenprobleme, geringere Immunität gegenüber Infektionen
  • Verhaltensprobleme vor allem bei jungen Menschen

Wer ist betroffen?

Allgemeinen Angaben zufolge haben rund 2 % der Menschen in Nordeuropa mit schweren und weitere 10 % mit milderen Symptomen (subsyndromale SAD oder Winterblues) zu kämpfen. Global betrachtet nimmt die Zahl der Betroffenen mit zunehmender Entfernung vom Äquator zu. Nur in schneebedeckten Gegenden wird sie wieder geringer. Insgesamt werden mehr Frauen als Männer mit SAD diagnostiziert und auch Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Was ist die Ursache für SAD?

Ursache ist der Mangel an hellem Licht im Winter. Forscher haben bewiesen, dass helles Licht die chemischen Vorgänge im Gehirn beeinflusst, konnten aber noch nicht herausfinden, warum einige Menschen darunter leiden, andere dagegen nicht.

Die Nervenzentren in unserem Gehirn, die unseren täglichen Rhythmus und unsere Stimmung regulieren, werden durch die Lichtmenge, die in unsere Augen dringt, stimuliert. So beginnt die Zirbeldrüse am Abend Melatonin zu produzieren, eine Substanz, die unserer inneren Uhr sagt, dass es Nacht ist. Helles Licht am Morgen ist für die Drüse das Zeichen, die Produktion von Melatonin wieder einzustellen. Doch an trüben Wintertagen ist vor allem in Innenräumen nicht genügend Licht vorhanden, um diesen Weckprozess in Gang zu setzen. Licht steht überdies in Zusammenhang mit Serotonin (auch 5HT genannt), einem Neurotransmitter im Gehirn. Dies erscheint plausibel, denn zu niedrige Serotonin-Werte können zu Depressionen führen, und wer deprimiert ist, leidet oft unter Konzentrationsschwäche und hat Schwierigkeiten, auch einfache Aufgaben in Angriff zu nehmen. Untersuchungen belegen, dass die Serotonin-Werte bei Vorhandensein von hellem Licht steigen - SSRI-Drogen wie Prozac haben dieselbe Wirkung.

Behandlung von SAD

Da SAD durch einen Mangel an hellem Licht verursacht wird, ist die Lösung, sich täglich hellem Licht auszusetzen. Eine Reise in ein sonniges Klima, ob zum Skifahren oder in warme Regionen, kann die Symptome bekämpfen. Ist dies jedoch nicht möglich, kann man stattdessen eine helle Lampe verwenden. Erforderlich ist die Lichtstärke eines sonnigen Frühlingsmorgens, und für die meisten Menschen reicht eine tägliche 30-minütige Bestrahlung mit einem solchen Licht aus, um die Symptome zu mildern. Sie brauchen nicht direkt in das Licht zu sehen, sondern können dabei beispielsweise fernsehen oder lesen, solange das Licht Ihre Augen erreicht.

Das Licht muss jedoch hell genug sein und mindestens 2.500 Lux entsprechen (Lux ist die technische Maßeinheit für Beleuchtungsstärke) - also etwa fünfmal heller als ein gut beleuchtetes Büro. Bei 10.000 Lux ist die Bestrahlungszeit kürzer und man kann weiter von der Lampe entfernt sitzen. Die Verwendung herkömmlicher Tageslicht- oder Vollspektrumlampen bringt jedoch nicht den gewünschten Erfolg, da sie nicht hell genug sind.

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